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Erfahrungsbericht eines behandelnden Kinderarztes

im Rahmen der Coburger Masernepidemie 2002




Nachdem die Masern-Epidemie in Coburg abgeklungen ist, möchte ich der interessierten Öffentlichkeit darstellen, wie sie wirklich abgelaufen ist:



Der Grund für diese Veröffentlichung ist, daß ich in meiner 20-jährigen Tätigkeit als niedergelassener Kinderarzt noch nie einer derartigen Hetzkampagne ausgesetzt war, die von Kollegen und vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ausging und dann über Fernsehen und andere Medien fortgesetzt wurde.



Die ersten Masern-Fälle nach der letzten Epidemie 1996/97 registrierte ich in meiner Praxis im Oktober 2001, es waren 2 türkische Kinder, die sich auf einer Reise angesteckt hatten. Danach kam es zu einem zunächst allmählichen Anstieg: bis Ende Dezember auf 332 Fälle, dann rasante Zunahme: im Januar 2002 152 Neuerkrankungen, im Februar 141, im März nur noch 47, im April 13 und im Mai gab es bis heute (07.05.) keine neue Erkrankung mehr.



Ich hatte viel Arbeit, wir haben spezielle Masern-Sprechstunden gehabt (z.B. 12 - 13 Uhr oder 18 bis 19 Uhr) und ich habe bis in die Nacht hinein Hausbesuche auch in z.T. 20 km entfernte Dörfer gemacht bei den bettlägerigen (meist älteren) Kindern.



Die Eltern waren gut darauf vorbereitet, daß ihre Kinder bei der nächsten Masern-Epidemie erkranken würden. Die meisten Eltern in meiner Praxis wollten aber nicht, daß ihre Kinder die Krankheit durchmachen und waren geimpft.



Es gab leichte und schwere Verläufe, viele Kinder wurden nur 1 oder 2 mal untersucht, andere täglich oder sogar 2 x täglich auf dem Höhepunkt der Krankheit. Die Eltern meldeten sich mindestens alle 2 Tage telefonisch, bei Verschlechterung aber sofort.



Die Behandlung war folgende.

Ich erklärte den Eltern, daß es absolut notwendig ist, daß Tag und Nacht die Mutter oder eine andere kompetente Bezugsperson beim Kind ist. Fieber soll nur dann gesenkt werden, wenn das Kind leidet. Die meisten Kinder bekamen während des gesamten Masernverlaufs, auch auf dem Höhepunkt bei 40,7 °, kein einziges fiebersenkendes Medikament. Ich erklärte den Eltern, daß das Fieber das Wichtigste ist, was der Mensch zur Verfügung hat, um sich gegen die Viren, die sich am wohlsten bei 37° fühlen, zu wehren, und daß durch das Fieber das Immunsystem gestärkt und Komplikationen vorgebeugt wird.



Jedes Kind wurde homöopathisch behandelt, lege artis individuell je nach den vorhandenen Symptomen. Häufig war Bryonia oder Pulsatilla indiziert, was ich in der D30 verabreichte.



Bei den insgesamt 385 in meiner Praxis behandelten Patienten trat bei 21 Patienten eine otitis media und bei 12 Patienten eine Pneumonie auf; diese Komplikationen wurden in der Regel antibiotisch behandelt und waren nach 3 bis 7 Tagen ausgeheilt. Weitere Komplikationen außer dem stationär behandelten Krupp traten nicht auf (s.u.).



Insgesamt nur 2 der von mir betreuten Kinder wurden in der Kinderklinik Coburg stationär behandelt:

Ein 2-jähriges Mädchen wurde von der Mutter selbst in die Klinik gebracht, weil sie bei 40° in Panik geriet (dieses Kind war zur Impfung vorgesehen, konnte aber bis dato wegen rezidivierender Infekte und der Nachlässigkeit der Mutter nicht geimpft werden).



Das 2. Kind war 8 Jahre alt, trotz Impfung im Alter von 3 Jahren schwer an Masern erkrankt und mußte wegen Krupp eingewiesen werden.



Von den insgesamt ca. 1350 Maser-Fällen in Coburg wurden ca. 40 stationär behandelt aus mir nicht bekannten Gründen. Es gab keinen einzigen Fall eines bleibenden Schadens oder Encephalitis, geschweige denn einen Todesfall.



Insgesamt kann man also von einem gutartigen und erfolgreich abgeschlossenen Verlauf der Masern-Epidemie "2001/2002 in Coburg sprechen.



Nun komme ich zu dem leider weniger gutartigen und traurigen Kapitel der Verleumdungen, Unterstellungen und Angriffe gegen mich:



Es begann im Internet Ende Februar bei www.hebammen.at, wo Dr. Uwe Goering, Kinderarzt und Obmann im BVK für die oberfränkischen Pädiater, folgendes schrieb: "Mittlerweile sind wohl fast alle 600 Fälle gemeldet. Dafür sind im wesentlichen 2 "Kollegen" verantwortlich, die in unverantwortlicher Weise von Impfungen abraten. Es gibt einige schwere Verläufe, Pneumonien und Anfälle! Schwere Encephalitiden oder gar einen Todesfall muß man glücklicherweise noch nicht beklagen. Man kann nur hoffen, daß die betroffenen Kinder unbeschadet aus dem Geschehen rauskommen. Die beiden medizinischen Impfgegner sollten beten und in allen Kirchen Kerzen stiften und hoffen, daß nicht mehr passiert, denn die betroffenen Eltern könnten ja für ihre Kinder vor den Kadi gehen und Schadensersatz einklagen. Damit hätten sie sicher Erfolg und ich glaube nicht, daß diesen Scharlatanen geholfen werden könnte. Sie würden dann ganz schön - zu Recht wie ich meine - im Regen stehen! U.G., leider auch Obmann für diese Mitglieder im BV."



Soweit die Aussage im für alle offenen Internet!



Daraufhin rief ich Herrn Goering an, wollte ihm meinen Standpunkt erklären, aber er legte des Gesprächs einfach den Hörer auf! Er hat sich auch vorher nicht bei mir erkundigt und mich ein fälschlich als "Impfgegner" diffamiert. Ich hatte bis dahin eine andere Vorstellung zu den Aufgaben eines Obmanns des BV.



Genauso schlimme Aussagen eines Herrn Behrmann, Kinderarzt aus Frankfurt:" Sie brauchen sich bloß 2 Min. zu den Impfgegner-Ärzten ins Wartezimmer zu setzen und haben ein Todesrisiko von 1:500 - 1:1000. Die allseits beliebte Broschüre "wie organisiere ich einen versuchten Totschlag" liegt da sicher stapelweise rum."



Ich wurde also als "Impfgegner" bezeichnet, obwohl ich, wie jeder Kinderarzt sehr viele Impfungen durchführe und mich an die Vorgabe der STIKO halte: ich erkläre den Eltern den Verlauf der Krankheit, weise auf Komplikationen wie otitis media, Pneumonie, Krupp und Encephalitis, die zum Tod führen kann, hin, erkläre die Impfung, bespreche mögliche Komplikationen, gebe alles nochmal in einem eigens dafür selbst geschriebenen Merkblatt schriftlich mit, und so haben sich in 5 Jahren von 1996 - 2001 eben ca. 400 Kinder angesammelt, die nicht geimpft waren, weil die Eltern entschieden haben, daß ihr Kind die Masern durchmachen soll. Ich wage die Behauptung, daß die Beratung über Kinderkrankheiten und Impfungen in meiner Praxis einen wesentlich höheren Zeitaufwand einnimmt als in den meisten Kinderarztpraxen!



Ich schrieb einen Brief an den Vorsitzenden der BV Dr. Gritz, in dem ich mich über meinen "Obmann" Dr. Goering beschwerte. Er antwortete mir, daß er Dr. Goering bitten wolle, sich mit mir auszusprechen. Dieser Bitte ist Dr. Goering bis heute nicht nachgekommen.



Über den dann ausbrechenden Medienrummel nur so viel: Ich habe dem Bayer, Fernsehen nach wiederholter inständiger Bitte, "damit auch mal die andere Seite zu Wort kommt", ein halbstündiges TV-Interview gegeben, in dem ich mein Vorgehen ausführlich erklärt habe. Ein Bruchteil davon wurde in sinnentstellter Weise gesendet, zuerst im BR, dann in der "Kontraste"-Sendung der ARD, wo ich in einem Beitrag über Impfgegner hineingeschnitten wurde. Dort erklärte eine Mutter, wie schwer ihr Kind die Masern durchgemacht hat und daß sie nicht richtig informiert war und ihr Kind eine Sprachstörung habe und eine Entwicklungsstörung. Es wurde dann gesagt "Dieses Kind war auch in Behandlung bei Dr. Fromme", was falsch ist. Wäre das Kind in meiner Behandlung gewesen, hätte ihm dieser Krankenhausaufenthalt wohl erspart werden können. Ich habe den Entlassungsbericht von der Klinik angefordert, in dem von einem normalen Masernverlauf die Rede ist. Lediglich eine EEG-Kontrolle wurde empfohlen. Zum Schluß der "Kontraste"-Sendung wird eine Frau gezeigt, die durch Polio gelähmt ist und Ärzte anklagt, die nicht impfen.



Gelungener Rufmord, wie ich an der Reaktion eines Kollegen sehe, der in einem Fax schreibt, er schäme sich für mich und eigentlich sollte mir die Approbation entzogen werden.



In der selben "Kontraste"-Sendung behauptet Prof. Schmitt, Vorsitzender der STIKO, daß nach seiner Statistik jetzt doch endlich ein Todesfall in Coburg auftreten müßte. Diese Meldung erscheint auch auf der ersten Seite in der Coburger Tageszeitung mit dem Hinweis, daß er 2 Kinderärzte verantwortlich macht, die generell vom Impfen abgeraten haben.



Mit dieser Aussage trägt er zu einer erheblichen Verunsicherung unter der hiesigen Bevölkerung bei. Auf meine per Fax geäußerten Bitte, dies richtigzustellen, antwortet Prof. Schmitt:" Wenn Sie die Sendung (=Kontraste) gesehen haben, werden Sie mir zustimmen, daß Ihr Fax gegenstandslos ist."



Es gäbe wohl noch Vieles zu berichten.

Für mich bleibt die Frage:" Warum werde ich als niedergelassener Kinderarzt, der seine Arbeit macht und dem das Wohl und die Zukunft der Kinder am Herzen liegt in dieser Weise mißbraucht und diffamiert?"





Dr. med. Karl Fromme

Kinderarzt

Coburg, im Mai 2002

In jüngster Zeit ist es zu endemischen Ausbrüchen der Masernkrankheit in Deutschland gekommen. Epidemien dieser Art sind bis vor wenigen Jahren keine Besonderheit gewesen. Das seit Januar 2001 geltende Infektionsschutzgesetz und die u.a. mit diesem Gesetz intendierte Elimination der Masern in Deutschland bewirken - beabsichtigterweise - eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung der Erkrankung und ihrer Komplikationen. In diesem Rahmen werden offenbar bewußt Ängste gegenüber der Erkrankung geschürt: Eltern werden verunsichert und sollen, auch u.U. gegen ihre Überzeugung, dazu gebracht werden, ihre Kinder gegen die Erkrankung zu impfen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt ihrer Ottawa-Charta folgenden Satz voran: "Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Mass an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen". Nimmt man dieses Ziel ernst, so ist dem derzeitigen Vorsitzenden der ständigen Impfkommission (STIKO) beizupflichten, wenn er ausdrücklich betont: "Ziel ist es, den Patienten (...) in die Lage zu versetzen, sich für oder gegen eine Impfung zu entscheiden. Alle Fakten, welche die individuelle Impfentscheidung beeinflussen können, müssen genannt werden."

Der Respekt vor der Autonomie des Patienten schließt auch Fragen nach seiner Biographie, seiner Sozialisation und seiner Fähigkeit zur individuellen Gesundheit mit ein. Epidemiologische Erwägungen, die zur Empfehlung bestimmter Impfungen geführt haben, sind durch uns Ärzte in einen konkreten Bezug zur individuellen Situation des Patienten zu bringen. Ärztliche Verantwortung konstituiert sich daher immer wieder neu. Sie wird rechtlich entlastet durch die Bezugnahme auf öffentliche Impfempfehlungen. Ethisch bleibt sie in der konkreten Arzt-Patienten-Beziehung bestehen.

Sprecher vom Verein "Ärzte für individuelle Impfentscheide"
( www.individuelle-impfentscheide.de )

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