 | Hallo zusammen,
ich hatte ja versprochen, dass ich noch von einem meiner früheren Erlebnisse berichte. Wie gesagt handelte es sich dabei nicht wirklich um einen Schuhklau, sondern mehr um ein so halb erzwungenes, halb freiwilliges Schuhausziehen. Daher habe ich das auch noch nicht gepostet, aber da ich sonst nicht so viel zu berichten habe und mich bei einigen von Reginas Erlebnissen doch daran erinnert fühlte, hole ich das jetzt einmal nach. Für mich war es tatschlich auch recht intensiv in der Wahrnehmung, vielleicht schaffe ich es auch, das hier rüberzubringen - könnt ihr nach der Lektüre gerne ehrlich sagen. ;-)
Stattgefunden hat das ganze vor inzwischen dann doch schon 10 Jahren (ugh!). Damals war ich gerade mitten im Bachelor und hatte mich für ein Auslandssemester in den USA entschieden. Zu der Zeit war Obama noch Präsident und das Land wirkte spannend, modern, zukunftsgewandt. Was soll ich sagen, Dinge ändern sich offensichtlich.
Jedenfalls hatte ich eine echt gute Zeit und habe nach ein paar akwarden ersten Wochen tatsächlich auch ganz gut Anschluss gefunden. Das war ein irgendwann doch recht großer Kreis an Leuten, manche mehr, manche weniger fest involviert, zum Teil andere Auslandsstudis, zum Teil aber auch einheimische Studierende. Die magische 21 hatten noch nicht alle geknackt und ohnehin waren wir in einer kleinen Unistadt fernab von jeder Großstadt, so dass es jetzt nicht so super viel Partymöglichkeiten oder ähnliches gab. Insofern fanden sehr viele Treffen einfach irgendwo in Studi-Appartements statt, was ich auch echt ganz angenehm fand, da man so meiner Meinung nach auch besser mit den Leuten ins Gespräch kam. Teilweise waren es dann auch ganz schön wilde Partys, teilweise aber eben auch nur ganz entspannte Abende, wo man im Kreis gesessen und gelabert hat.
Der Abend, um den es geht, war irgendwas dazwischen. Aber schon eher auf der entspannteren Seite, wenn auch die Wohnung, in der wir uns aufhielten, recht voll war. Es war auch einfach eine der typischen Wohnung auf dem Campus mit einem großen Wohnzimmer, drei oder vier Schlafzimmern und einem oder zwei Bädern. Also nicht der ganz klassische Dorm, da gerade für die internationalen Studis dort gar nicht genug Platz war. Es muss wahrscheinlich auch so Ende Oktober Richtung Halloween gewesen sein, jedenfalls war ich zu dem Zeitpunkt schon ganz gut in dem Kreis angekommen. Und es war ein Samstag, was noch wichtig wird. ;-)
Ich chillte mit Beth, einer britischen Studentin, mit der ich mich als erstes angefreundet hatte, und ein paar anderen in einem der Schlafzimmer. Das Zimmer gehörte Cory (dessen Namen ich bis heute noch nicht richtig aussprechen kann, verdammtes amerikanisches R! XD), der sich ebenfalls dort befand und mit dem ich auch gut auskam. Beth und ich hatten das Bett in Beschlag genommen und lagen dort relativ entspannt, zumindest erstmal. Allerdings legte ich mich immer so hin, dass ich versuchte, mit meinen Schuhen nicht die Decke zu berühren. Natürlich war es eine Tagesdecke und mir war auch bewusst, dass das ganz normal für die amerikanischen Studis war. Beth machte sich offensichtlich auch keine Gedanken deswegen. Aber ich merkte dann eben doch meine Erziehung. Ich fand es schon seltsam, überhaupt mit Schuhen über den Teppichboden der Wohnung zu laufen, aber mit diesen das Bett oder ein Sofa zu berühren war für mich einfach ein no-go. :-)
Jedenfalls bemerkte Cory irgendwann meine Verrenkungen und fragte mich dann auch, ob alles okay sei. Ich sagte nur ja und ein paar Minuten passierte nichts. Ich hatte aber so langsam wirklich Probleme, bequem zu liegen, wenn meine Füße eben seitlich vom Bett hingen. Cory beobachtete das ganze dann auch immer amüsierter. "What's up, Alex?" (ich benutze hier für die direkte Rede mal Englisch, das zu übersetzen fühlt sich irgendwie sonst total falsch an, sorry! XD) "It's fine." "Why don't you just lie on the bed?", fragte er dann lachend. "I don't wanna touch it with my feet", gab ich zurück, was ihn und auch ein paar andere offenbar total verwirrte aber auch weiter erheiterte. "I still got my shoes on!", erklärte ich dann, errötete aber auch etwas. "It's fine, don't worry", meinte einer der anderen und Cory nickte. "But it feels weird", gab ich zurück. Wie gesagt waren wir insgesamt eine recht internationale Truppe, weshalb es immer viele interessierte Nachfragen aber untereinander auch oft etwas gutmütiges Teasing gab, an dem ich mich wie alle anderen beteiligte. Als tatsächlich einzige Deutsche hatte ich dadurch manchmal auch einen etwas schweren Stand und hörte öfter ein "That's so German of you" oder ähnliches. Wie gesagt, wirklich gutmütig und ich fand es auch immer lustig. Und das hier entwickelte sich jetzt in eine ähnliche Richtung, als Beth meinte: "Oh, you take your shoes off in Germany, right?" Ich nickte, aber ein paar der amerikanischen Studis wirkten etwas verwirrt. "You mean like on the bed." "Basically when you enter the house", erklärte ich. Das fanden jetzt einige super weird und es entstand eine kurze Diskussion darum. Natürlich gibt es auch in den USA Leute, die das machen, aber scheinbar nicht unter meinen Freunden. Nun, irgendwann sagte ich halt, das es andernfalls sehr unhöflich sei, gerade auf einem Bett. Und darauf sprang Cory jetzt an.
"So. . . you're telling me you're lying on my bed with your shoes on and that's rude in Germany?" "Well . . . yes", meinte ich dann etwas unsicher. "And you coming into my flat with your shoes on is also rude," fragte er weiter "Yeah, it kinda would be", sagte ich "So, because I'm American, you can be rude?", sagte er dann jetzt deutlich grinsend. "No, Cory, that's not-", fing ich an, aber konnte mich dann auch in dem Moment nicht wirklich herausdiskutieren. Natürlich war er nicht wirklich beleidigt, genausowenig wie die Anderen. Aber er ließ jetzt auch nicht davon ab, wie unhöflich ich doch sei und die anderen bestärkten ihn darin. "If it's good manners in your home, than shouldn't you be well-mannered here, too?", sagte dann irgendwann wer. "Yeah girl, take those sneakers off", kam es dann von jemand anderem. "What? I, no, I...", versuchte ich irgendwie zu protestieren und wurde nun endgültig rot. Gleichzeitig war es schon irgendwie lustig. Beth hatte sich inzwischen eindeutig auf die Seite der anderen geschlagen und so kam ich natürlich nicht mehr aus der ganzen Sache raus.
Ich diskutierte noch etwas und merkte dabei, wie ich immer aufgeregter wurde. Einen Moment lang dachte ich auch, vielleicht würde sich ein Schuhklau ergeben, aber das schien dann doch nicht wirklich zu passieren. Also sagte ich irgendwann: "Fine, I'll take them off!" Und es war schon besonders, weil jetzt natürlich alle zu mir rüberschauten, wie ich begann, die Schnürung meiner grünen High Top Chucks zu lösen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch länger keinen Schuhklau erlebt, also war das schon wirklich ein intensives Gefühl. Ich setzte mich seitlich aufs Bett und zog meinen rechten Fuß auf den linken Oberschenkel, dann löste ich die Schleife. Ich lockerte die Schnürung in den oberen Ösen etwas, dann griff ich mit einer Hand an die Hacke und mit der anderen von oben an den Spann und zog und schon hatte ich mir selbst den Schuh ausgezogen. Das ganze wiederholte ich dann mit meinem linken Fuß und war kurz darauf komplett sockig, was mit lachendem Beifall anerkannt wurde, als ich gespielt genervt fragte "Happy now?" und meine Schuhe hochhielt. "So they would be by the door?", fragte Cory darauf. Das hatte ich zuvor erwähnt. Ich nickte und zu meiner Überraschung stand er auf und streckte auffordernd die Hand aus. "What-?", fragte ich verwirrt aber auch etwas aufgeregt. Offensichtlich wollte er jetzt auch noch meine Schuhe haben. "Come on", meinte er nur und ich gab sie ihm tatsächlich. Er verschwand kurz und verkündete dann unter Gelächter, dass sie neben der Wohnungstür stehen würden und ich sie dann anziehen könne, wenn ich gehe. Da wurde ich doch etwas rot, schwang meine Beine nun aber überkreutzt wieder aufs Bett und saß gespielt-beleidigt mit verschränkten Armen da.
Auf diese Weise präsentierte ich Cory dann auch die Sohlen meiner Sockfüße. Das war ein graues Paar, wo an Ferse und Spitze sich dünne Streifen in etwas helleren Grau mit Streifen in Hellblau abwechselten. Die gehörten zu einem ganzen Set, die alle im gleichen Grau aber halt jeweils mit einer anderen Farbe dazu waren. Das wirklich besondere war aber, dass auf jedem Sockenpaar auf der Sohle neben der Größe auch noch ein jeweils anderer Wochentag stand. Natürlich auf Deutsch, aber das fiel Cory nun auf und er fragte, was denn da auf meinen Sohlen zu sehen sei. Da errötete ich wieder, zum Einen wegen der allgemeinen Aufmerksamkeit auf meine Füße, zum Anderen aber auch, weil ich auf diese ganze Geschichte mit den Wochentagen nie wirklich geachtet hatte. Deshalb waren es auch nicht die Socken für Samstag, sondern die für Freitag, die ich trug. Ich druckste dann auch etwas herum, rückte dann aber doch mit der Sprache raus. Natürlich erheiterte das alle sehr, insbesondere, da ich als die gut organisierte Deutsche galt (ich war im Studium auch super organisiert, passte also voll ins Klischee). Und da ging es dann eben eine ganze Weile um meine Sockfüße, da anschließend auch noch der Unterschied zwischen EU-Schuhgrößen und britischen und amerikanischen besprochen wurde.
Insgesamt war das schonn sehr aufregend, wie alle auf meine Füße starrten. Ich zog sie dann aber auch nicht weg, sondern fand es zwar peinlich, aber eben auch sehr positiv. Und auch, als das Thema wechselte, war ich dann eben den ganzen Abend die einzige in Socken auf der ganzen Party, worauf ich auch noch ein paar Mal angesprochen wurde. Wie versprochen hatte Cory aber meine Schuhe neben der Tür abgestellt, wo ich sie dann auch fand und normal anzog, als ich später ging.
In den nächsten Wochen fragte Cory dann tatsächlich hin und wieder nach, ob ich denn heute wenigstens die richtigen Socken hätte, was auch noch ein paar Mal dazu führte, dass ich kurz einen Schuh auszog. Das war dann zwar auch lustig, aber wirklich immer nur kurz und deutlich unspektakulärer und irgendwann war der Witz dann natürlich auch durch.
Soweit zu meinem Erlebnis. Ich hoffe, es liest sich nicht zu langweilig. Schreibt gern einmal, ob es euch gefallen hat.
Liebe Grüße Alex |