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 Forum Gewaltfreie Kommunikation
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 Definition /Schlüsselunterscheidungen 21.03.2005 (19:26 Uhr) Linde
Hallo Heinz,

wenn ich lese, dass "Definitionen für viele ein rotes Tuch" sind, bin ich erstaunt. Bist du es vielleicht überdrüssig, immer wieder sagen/schreiben zu müssen, dass dir eine eindeutige Definition wichtig ist? Möchtest du gerne, dass deine Diskussionspartner diese Wichtigkeit ganz ernst nehmen?

Mein Ansatz ist: die Mathematik zeichnet sich wohl (?)dadurch aus, dass es für jedes Ding eine (einzige!) Definition gibt, an die sich alle halten, die über Mathe reden. Ich glaube, dass uns "das Leben" diesen Gefallen nicht tut. Damit meine ich keineswegs, dass wir deshalb auf das Definieren bzw. das klare Verstehen und bewusste Einordnen verzichten müssten. Stattdessen meine ich: lass uns (und gerne weitere Forumsteilnehmer) nach vielen Definitionen (jeder 1 - 100 eigene) suchen, unter denen du dir die eine einzige heraussuchen kannst, die das gesuchte "X" für dich eindeutig beschreibt und zum gewünschten "Aha-Erlebnis" führt.

Bitte erkläre noch einmal deine Kritik an der Anwendung von Schlüsselunterscheidungen in GfK. Ich kann sie im Moment nicht nachvollziehen, wenn ich daran denke, dass mir in GfK-Seminaren immer wieder Schlüsselunterscheidungen
zu verschiedenen Begriffen vorgestellt wurden.

Schöne Grüße von
Linde
 Re: Definition /Schlüsselunterscheidungen 21.03.2005 (22:26 Uhr) HeinzBuerkert
Linde,
immer wenn ich jemandem oder einer Gruppe die Frage nach der Definition eines Begriffs, beobachte ich Reaktionen sowohl von Rückzug als auch von Angriff und Aggression. Eigentlich niemals ein "Aha, da ist ein Begriff nicht gemeinsam verstanden. Lass uns über die Inhalte des Begriffs diskutieren."
Der Kern des Themas liegt in der Eigenheit der Worte: sie haben für sich genommen keine Bedeutung (sonst könnten wir Fremdsprachen sofort verstehen). Sie sind Symbole FÜR einen Inhalt. Ein Symbol, das der Sprecher verwendet und aus Einsicht oder Reflex wählt. Wenn der Hörer mit dem Wort gar nichts anfangen kann oder nach einer Weile feststellt, dass mit dem Wort andere Worte in Verbindung bebracht werden, die er so NICHT in Verbindung bringen würde, stellt er fest, dass keine 100% ÜBereinstimmung oder sogar eine wichtige Diskrepanz im Decodieren des Symbols vorherrscht. solange beide annehmen, der ander teilt seine Auffassung vom Symbolgehalt kommt es in der Regel zu einem heftigen Konflikt. Um diesen zu vermeiden ist es sinnvoll frühzeitig nachzufragen, was denn der andere mit einem Wortsymbol verbindet und mitzuteilen, was man selbst damit verbindet. Das ist meist schwierig, weil man über das Wort noch nie nachgedacht hat und man so den Symbolgehalt nicht beschreiben kann, obwohl man ihn innerlich quasi sieht. Aus diesem Grund vermeiden die Leute dieses Spiel: sie wollen sich nicht exponieren, erstens und zweitens, wollen sie ihren eigenen BEdeutungsgehalt nicht aufgeben - was immer im bestimmten Rahmen die Folge ist -, weil viele andere Dinge dranhängen. Es tut fast körperlich weh, eine gewohnte Wortbedeutung aufzugeben.
Die Diskussion über "Diskussion" ist bereits ein Beispiel für das Thema: wer verbindet was damit und was hängt dran (die Ängste aus dem Matheunterricht)
Daher ist für mich Definition so wichtig aber auch so heftig abgelehnt.


 Re: Schlüsselunterscheidungen 21.03.2005 (22:35 Uhr) HeinzBuerkert
Die Kursteilnehmer über zwar fleissig Schlüsselunterscheidungen für die vorgegebenen Wortpaare, aber sie haben in den Kursen in den ich war, versucht, so schnell wie möglich damit fertig zu werden. Und: sie haben die Methode nicht selbstständig auf andere Begriffe übertragen. Die Übertragung wurde auch nicht gelehrt und in kann mich auch nicht erinnern, dass Rosenberg der Suche nach dem Wortdetails einen Raum gibt. Denn es geht umn Wortdetails: in welchen Bedeutungsgehalt unterscheiden sich zwei ähnliche Worte (= 2 Worte mit ähnlichen Gehalt). DAzu muss man natürlich zuvor den Bedeutungsgehalt der einzelnen Woirte auseinanderdividieren feinsuberlich. Und das nenne ich "Wissen was ich meine, wenn ich was sage."
Für die Teilnehmer das 21-Tage Programms bei Klaus Karstädt war "schlüsselunterscheidung" buchstäblich das Unwort der ganzen Kurses. Sie haben sie gehasst.
Also die Kritik liegt im fehlenden Transfer und der fehlenden Anleitung zu selbstständigem andauernden Weitermachen.

Ich hoffe das ist ein wenig klar. ÜBrigens auch wieder ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist mit Worten, ein eigenes Verständnis dem Gegenüber darzulegen, so dass es nachvollzogen werden kann.
heinz
 Re: Schlüsselunterscheidungen 22.03.2005 (10:58 Uhr) Linde
Hallo Heinz,

ja, da weiß ich nun leider nicht so recht weiter...
Dennoch noch ein paar Überlegungsansätze:

Ich sehe ein Dilemma:
einerseits ist ein gewisses Maß an bewusstem Verständnis der Wort-Begriffe, die wir benutzen, notwendig, um kommunizieren zu können.

andererseits hält sich Rosenberg selbst nicht besonders mit Wortdetails auf - mal abgesehen davon, dass er selbst Amerikanisch spricht, alles für uns Deutsche nur übersetzt ist und dadurch ohnehin nicht alle Bedeutungsdetails mit rüberkommen. -

Ich bin fest überzeugt, dass GfK funktioniert. Aber wieso das so ist (trotz streckenweise fehlender Bedeutungsdefinitionen), kann ich gerade nicht formulieren ....

... es muss einen weiteren Informationsträger geben ....vielleicht die "Einfühlung", das "Mitgefühl", das schrittweise, behutsame Vorgehen im gegenseitigen, offenen Kontakt ?

Vielleicht ist es auch hilfreich, den Anspruch abzulegen, dass Gf-Kommunikation bereits beim ersten Wort/Begriff gegenseitiges Verstehen erzeugt (analog: Erdelement?)? Vielleicht ist es hilfreich, sich dem Fluss der Kommunikation zu überlassen im Vertrauen darauf, dass die jeweiligen - und für den Augenblick gültigen -  Bedeutungsdefinitionen schon nach und nach erkennbar werden? (analog: Wasser- oder Luftelement?)

.... dies sende ich nicht als rhetorische Fragen: ich akzeptiere jedes "NEIN" darauf...

Für mich steht jedenfalls fest:
- zwei Menschen (erst recht nicht viele) werden nie haargenau dieselbe Bedeutungsdefinition eines Wortes benutzen - schon griechische Philosophen (die ich nicht gut kenne...) haben sich darüber den Kopf zerbrochen...

- jede/r darf so lange nach Bedeutungsinhalten und Schlüsselunterscheidungen suchen, bis er sich klar und sicher fühlt. Ohne dieses subjektive Gefühl von Klarheit und Sicherheit endet jede Art von Kommunikation recht bald - in GfK geht sie nach meiner Erfahrung noch eine Weile weiter, wenn zumindest ein Gesprächspartner sehr fortgeschritten ist und
1. sich besonders gut einfühlen kann
2. besonders gut bei sich bleiben und sich öffnen kann.

Viele Fragen... schwierig, schwierig...

Giraffengrüße von
Linde
 Re: Schlüsselunterscheidungen 22.03.2005 (12:41 Uhr) HeinzBuerkert
Servus Linde,
auch hier kommen wir uns schon sehr nahe ....
Dass sich Rosenberg nicht damit , war für mich ein K.o.-Kriterium.(Wertung/WErtung /Urteil!! oder klarer Entschluss durch Nachdenken).
"ist ein gewisses Maß an bewusstem Verständnis der Wort-Begriffe, die wir benutzen, notwendig, um kommunizieren zu können" : oh nein, hör mal im Bus, im Zug, in der Gaststätte genau hin, wieviele Floskeln wir Menschen wie Reflexe benutzen. GAnze Gesprächsabläufe folgen einem immer wiederkehrenden Muster. (Begrüssung, "War waren im Urlaub", "Ich hätte gerne ...", "ich liebe dich" etc. etc). Der Test ist: ändere mal bewusst der erwarten Gesprächsverlauf, und beobachte wie verunsichert Dein Gegenüber ist. Wäre er/sie bewusst, würde er/sie locker drauf eingehen, so ist er verwirrt . Ich behaupte (sie anderer Thread) die Bedürfnisbegriffe gehören dazu -auch das Wort "Bedürfnis".

Was ist es bei GfK, das funktioniert? ich glaub nicht, dass es die Formel ist - eher ein mehr oder weniger grosser Schritt, die Gegenseite zu verstehen lernen und wahrnehmen zu lernen (auch hier sind die Gewichte in der Schulung verdreht). "audite et altera pars", wie der Lateiner sagt.

Klar, zwei Menschen (erst recht nicht viele) werden nie haargenau dieselbe Bedeutungsdefinition eines Wortes benutzen . NUR: wer ein bewusstes Leben und Kommunizieren entwicklen will, MUSS sich bewusst machen, was er gerade sagen will (dass das nicht immer gelingt, ist was anderes). WEnn ich nicht weiss, was ich tatsächlich inhaltlich auf allen EBenen ausdrücken will, kann ich es unmöglich auf mehrere Arten - der Tanz ist eigentlich eine Annäherung an die treffende Ausdrucksweise. Je besser der Inhalt zu beginn des Tanzes bewusst ist, desto lockerer gelingt der Tanz.
"Einfühlen können": ist das nicht ein bewusstwerden dessen, was gerade jetzt abläuft - bei mir und meinem Gegenüber. Bewusstwerden hier und jetzt benötigt, dass wir unsere Vorstellungen über "Was sein SOLLTE" zurücknehmen, denn sonst überlagern unser Reaktionen die Wahrnehmung ("Vorstellungen" wäre wohl eine eigener Diskussionspfad).

Eigentlich ist jedes Wort ein "Schlüsselbegriff". Was mein ich mit "eigentlich" - ich habs der Gewohnt wegen eingefügt - vielleicht um eine harsche Festlegung zu vermeiden: ein Weichmacher oder eine Gewohnheit?

Servus
Heinz


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