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 Was sind Bedürfnisse? 19.08.2003 (16:12 Uhr) HeinzBuerkert
Ich stelle mir immer mehr die Frage, was denn die "Natur" der Bedürfnisse ist. Also nicht, welche Bezeichnungen für Bedürfnisse gibt es, oder welche Umstände führen zu einem Bedürfnis SONDERN:
Was nehme ich in mir drinnen wahr, auf Grund von dem ich die Entscheidung für ein Bedürnisbegriff treffe, und wo - in mir - nehme ich das wahr?.
Anders Formuliert: Was sind die inneren Realitäten hinter den Bedürfnissen?

Damit liessen sich die Diskussionen ob z.B. Respekt ein Bedürfnis oder eine Strategie ist, mit erheblich weniger Spekulation beantworten.
Auch ist eine Abgrenzung gegen die Gefühlsbenennung dann klarer.
Wer mag genauer in sich hineinschauen? Was nehmt Ihr dann wahr?
Heinz
Danke Heinz! Die Frage nach dem Wesen menschlicher Bedürfnisse begleitet mich schon lange und bekam durch GFK eine neue Dimension von Fragestellung und Klärung.

Am meisten weitergeholfen hat mir die Formulierung:
"WAS MIR WICHTIG IST !"
Wenn alles, was mir wichtig ist, meine Bedürfnisse sind, dann habe ich davon den Eindruck, dass das ein riesengroßer Bereich ist. Viel größer, als ich ihn für mich heute schon überblicken kann.

Für mich ist das ein fast heiliger Bezirk in mir. Heilig, weil dazu auch der ganz schlafende, unbewusste Bereich meines Inneren gehört, der gewissermaßen ganz unten, ganz
"UNTER-BEWUSST" ist.
Denn der tiefere Grund, die  wirk-lichen Ursachen und Beweggründe meiner Ideale und meiner inneren Notwendigkeiten sind sehr schwer ins gleißende Licht meines analysierenden Bewusstseins zu zerren - und vielleicht ist das manchmal auch ganz gut so.
In manchen "seelenkundlichen Betrachtungen" gibt es die Gliederung: "Denken - Fühlen - Wollen", um damit drei unterschiedliche Ebenen innerer Aktivität zu charakterisieren, wobei das dritte, der "Wille", auch alles umfasst, was durch Instinkt, Leidenschaftlichkeit, Trieb oder Begierde impulsiert ist. Und der Wille ist überhaupt alles was mich "in Gang" bringt.

Damit bin ich - wie schon gesagt - im unter-bewussten Bereich meiner selbst.

Oft wenn ich versuche Bedürfnisse zu beschreiben, empfinde ich das als eine starke Herausforderung weil ich erlebe, dass ich sehr tief in mir schürfen muss, um das auszudrücken, "WAS MIR WICHTIG IST". Die Herausforderung besteht dabei in zweierlei Richtung: ich muss zunächst etwas kaum sichtbares in mir selbst erkennen, "sehen" - und dieses sehr persönliche von mir dann auch noch äußern (siehe Joseph Beuys: "Zeige deine Wunde"...)
Nicht selten kommt es anschließend zu einer Empfindung von Unzufriedenheit darüber, dass ich zum eigentlichen Grund-Impuls, zum eigentlichen Grund-Bedürfnis garnicht vorgedrungen bin.

Was mich dann tröstet ist die Gewissheit, dass es sich dabei um Schritte von Selbst-Erkenntnis handelt, für die nicht das Ergebnis wichtig ist, sondern die Aktivität, die Bemühung selbst.

Ich fürchte, dass mit dieser Betrachtung dein Bedürfnis nach Bedürfnis-Klärung nicht wirklich erfüllt werden kann, aber mir war es wichtig auszudrücken, dass ich diesen inneren menschlichen Bereich für ein sehr weitreichendes Gebiet unseres Daseins halte, dessen Freilegung für mich wie eine Schwelle oder gar eine Herausforderung ist.

Thomas
 Re: Was sind Bedürfnisse? 25.08.2003 (15:27 Uhr) HeinzBuerkert
"dessen Freilegung für mich wie eine Schwelle oder gar eine Herausforderung ist." Gerade das halte ich für die wichtige Frage. Denn wie komme ich sonst auf die treffende Bezeichnung, im Sinne es präzisen Ausdrucks, über was mit mir los ist? Leider lässt mich/ uns da GfK völlig alleine. Marshall definiert in seinem Buch "Bedürfnis" überhaupt nicht.
Für mich ist das ein grosser SCHWACHPUNKT der GfK.
" ich muss zunächst etwas kaum sichtbares in mir selbst erkennen, "sehen" - und dieses sehr persönliche von mir dann auch noch äußern " noch präziser ausgedrückt! Darum gehts. Nur WIE??? Da wünsche ich mir für GfK eine grosse Erweiterung!

Du nennst auch einen für mich wichtigen Punkt. Ich nennne ihn den "inneren Handlunsimpuls" . Er gehört zum Bedürfnis, ist wahrnehmbar, quasi Nervenaktivität vom Gehirn an den Körper. Mit einem Bedürfnis geht immer eine Unruhe einher und der Drang nach einer Handlung, Reden oder Agieren etc. .
Was nehmen wir sonst noch wahr???
Nachdem wir Klarheit in der Wahrnehmung haben, können wir auch beginnen es zu benennen. Vorher nicht - oder ?

Heinz
Lieber Heinz,
Du hättest gerne eine Erweiterung der GFK, damit innere Bedürfnisse (ich ergänze auch Gefühle) klar werden?
Meine Antwort darauf lautet Focusing. Eine von Eugen Gentlin gefundene Methode, wie das noch nicht Klare und noch nicht wirklich Gewusste aber eben doch irgendwie geahnte klar wird. Das kann man lernen. Ich habe die Grundausbildung darin gemacht und übrigens Marshall an einer Focusing-Konferenz kennengelernt. Er hat dort einen Tagesworkshop gegeben. Nähere Informationen findest Du unter www.focusing-daf.de
Lieber Gruss Hans-Walter
 Re: Was sind Bedürfnisse? 27.08.2003 (21:51 Uhr) HeinzBuerkert
danke Walter!
Lass mich die frage ein wenig allgemeiner stellen:
" Was ist die GfK-Meinung zu der Eingangsfrage? "
Will sie, dass Antworten auf solche Fragen von anderen Systemen kommen? Dann sind sie in der GfK nicht einheitlich und es gibt keine Gesprächsbasis, weil jeder was anderes darunter versteht, damit verbindet.

Heinz
"Was sind Bedürfnisse und welche Art der Wahrnehmung liegt zugrunde?"

Dass was ich mit den Jahrenüber mich, über andere und über die um-Welt lerne, prägt mein Selbst-, Fremd- und Welt-Bild.
Einiges geht verloren, Einprägsames dagegen setzt sich am Grunde meines Unbewussten ab. Z.B. werde ich solange auf eine bestimmte Weise angesprochen (von Eltern, Lehrern etc.) bis ich selbst sage: "ICH habe den An-spruch, ... !".  Ich habe es also verinnerlicht und glaube es kommt von/aus mir selbst.
Diese mehr unbewussten als bewussten Selbst-, Fremd- und Weltbilder die sich in inneren Grund-Sätzen manifestieren (also Interpretationen die ich von anderen übernommen habe oder eigene selbst-Erklärungen, wenn ich mir allein einen Reim darauf machen musste) spannen meinen Wahrnehmungshorizont auf, vor dem ich in der Lage bin, Bekanntes wieder zu erkennen (und mich sicher/angstfrei zu fühlen) oder durch Unbekanntes/Fremdes verwirrt/verängstigt zu sein. Dieser Wahrnehmungshorizont bestimmt/begrenzt meine "selektive Wahrnehmung".

Dieser Wahrnehmungshorizont ist keine glatte Ebene, sondern hat ca. 10-20 Vertiefungen, ich nenne sie mal "Wahrnehmungs-Trichter".
Diese sind verbunden, mit dem WAS MIR BESONDERS WICHTIG IST.

Auf der negativ verwurzelten Seite gibt es schmerzhafte Ereignisse in Kindheit/Jugend, wo ein Kind einen (mitunter dauerhaften oder einmaligen, aber traumatischen) schweren Mangel erlebt hat, d.h. bestimmte Bedürfnisse sind zu kurz gekommen.
Hat zum Beispiel SCHUTZ gefehlt, kann sich der korrespondierende Grund-Satz "Ich bin schutz-los" bilden. So wird eine in dieser Hinsicht individuell schwerer gewichtete Bedürftigkeit eine (mitunter lebenslange) unbewusste Empfindlichkeit ausprägen, quasi ein "wunder Punkt", dessen situative Berührung, den damit verbundenen Film auslöst und man rutscht - schwups - in den zuge-hörigen Trichter und bleibt erst mal stecken - unbewusst.
(Manchmal induziert man dieses Erleben selbst = selbsterfüllende Prophezeihung. Warum? Lieber das bekannte Unglück (wieder erleben) = traurige Selbst-Sicherheit, als das unbekannte Glück finden (= Angst erregend).
Und das [wortwörtliche!] "heraus finden" aus dem Trichter ist nicht leicht. Es geht natürlich leichter, wenn ich diesen (schmerzhaften) Weg schon einmal bewusst gegangen bin.

Meine Erfahrung ist, dass, wenn ich mein "dreckiges Dutzend" der für mich wichtigsten Grund-Sätze ent-deckt habe (und dazu muss man in die Drachenhöhle des eigenen Verstandes um mit den schmerzhaftesten Gefühlen, die damit verbunden sind, zu ringen: das ist harte aber wichtige Arbeit), dass ich dann im Fall des Falles (beliebiges Ereignis löst ein Wurzel-Drama aus = Wolfsshow nach Marshall R.) meine "alten Pappenheimer" leichter erkennen und (immer öfter) klar identifizieren kann und das ermöglicht die Wendung meiner Not, um wieder handlungs- und kommunikationsfähig zu werden. Ich stecke nicht mehr im Trichter fest, sondern kann selbst aktiv heraus und wieder zur Oberfläche zurück finden.

Das war bezogen auf den Ur-Mangel = verwurzeltes Bedürfnis. Es gibt auch eine (individuell abhängige) Anzahl positiver Trichter, aber das ist ja hier nicht das Thema. das funktioniert quasi achsengespiegelt ;-)

Es gibt nun mehrere Zugänge zu diesen verwurzelten Grund-Sätzen, die (z.T. oder ganz?) MEINEN individuellen Grund-Bedürfnissen entsprechen, die meine wichtigsten Wahrnehmungstrichter ausbilden:
a) den zugrunde liegenden Ur-Mangel = Bedürfnis erkennen, "sehen"
b) kognitive Verhaltenstherapie
c) Focusing
d) u.a.

Neben dem WAS MIR WICHTIG IST, gibt es natürlich das restliche Bedürfnis-Spektrum, was ich auch brauche, wie andere "normale" Menschen auch ;-)

Es führen also mehrere Wege zum Ziel. - Und je mehr ich kenne, um so besser kann ich mir selbst (und ggf. anderen) helfen und muss seltener (professionelle) Hilfe in beanspruchen.

Auch in seiner "Unschärfe" ist das GFK-Modell schon hilfreich.
Eine Frage ist, ob eine konstruktive Kritik helfen könnte, ein irreduzibles, für jeden Menschen gültiges Bedürfnis-Spektrum zu beschreiben auf Grundlage einer eindeutigen Bedürfnis-Definition.

Denn die Unschärfe von Begriffen und fehlende Definitionen stehen bei Marshall im klaren Widerspruch zu der Aufforderung, spezifische und genaue Begriffe zu verwenden.

Marshall bezieht sich manchmal auf einen südamerikanischen Ökonomen (Hr. Max-Neef), der eine Bedürfnis-Struktur auf ökonomischer Basis entwickelt hat. Er benennt 9 Grund-Bedürfnisse:

1. basic physical = körperliche Grundbedürfnisse
2. protection/safety = Schutz/Sicherheit
3. love = Liebe
4. understanding = Verstehen, Verständnis, (Verständigung?)
5. honesty = Ehrlichkeit
6.      ?      = Geborgenheit
7.      ?      = Ruhe/Erholung
8.      ?      = Kreativität / schöpferisches Tun
9. autonomy = Autonomie/Selbst-Bestimmung

Und Marshall ergänzt noch das nach Victor Frankl wichtigste Bedürfnis:
10. Das nach einem (Lebens-Sinn / Zweck des Daseins).


Wenn ich mir das Spektrum spontan anschaue, dann fehlt mir persönlich "Vertrauen".
Das gehört für mich in MEIN persönliches Bedürfnis-Spektrum. Könnte man es oben zu-ordnen?
Nein, ich glaube nicht direkt.

Und nach meiner Ansicht ist "Liebe" kein singuläres Bedürfnis, sondern ein polysemantischer Sammelbegriff (analog "Glück") für ein individuell gewichtetes Bedürfnis-Spektrum.
Liebe ist für mich mehr eine Fähigkeit und eine Tätigkeit, eine giraffentänzerische Grundhaltung.
Die Frage wäre für mich: Welche Bedürfnisse assoziieren die einzelnen Menschen zum Sammel- Begriff "Liebe"? Z.B. könnte man "Sexualität" zu Nr.1 = körperliche Grundbedürfnisse zuordnen. Und für manche gehört auch Nr. 6 = Geborgenheit zur Liebe dazu, es stünde also nicht allein. Und so könnte man weiter machen ... ;-)

Max-Neef weist die RICHTIGE RICHTUNG: Wirklich wenige zentrale GRUND-Bedürfnisse zu finden, um klarer und einfacher zu den Wurzeln (und wieder zurück) zu finden.
Aber der Weisheit letzter Schluss scheint es mir noch nicht zu sein.

Und wenn man nicht blind "glauben" möchte, dann lohnt es sich - mit der Zeit - sich einer etwas klareren Bedürfnis-Ordnung anzunähern.

Wenn man z.B. die Dreiteilung der WHO bzgl. Gesundheit zugrunde legt: biologisch, psychisch und sozial, dann kann man versuchen, die obigen 10 Bedürfnisse zuzuordnen.
(Mir fehlt jetzt die Zeit.)

Aber spontan fällt mir auf, dass für die Psyche "Autonomie = Selbst-Bestimmung" wichtig ist.
Korrespondierend wäre im sozialen Zusammenhang "Mit-Bestimmung" ein wichtiges Bedürfnis, denke ich (wer ist hier der Bestimmer, wer hat das sagen, übt (in)direkt Macht = eine Form von Gewalt aus?). Was andere UND mich betrifft, dazu möchte ich meine Stimme zu erheben, gehört werden und einen Konsens/Lösung finden, bis es für mich und die anderen stimmig ist, gell?
Und findet sich "Mit-Bestimmung" in "understanding" wieder? Oder werden da andere Schwerpunkte sichtbar?
(Auch das wäre interessant, mal genauer zu untersuchen.)

Um wirklich eine Basis zu haben von der mensch operieren kann, braucht es meiner Meinung nach eine klare DEFINITION was ein Bedürfnis ist und was nicht. Und entsprechende Kriterien, um die mehr oder minder vielen Begriffs-Kandidaten zu prüfen.

Natürlich kann man auch mit der "Unschärfe" leben, da auch auf dieser Basis schon wesentliche, empathische Unterstützung und Erleichterung ermöglicht wird.

Ich persönlich möchte aber "Klarheit" (ist das ein Bedürfnis?), d.h. eine ein-leuchtende Bedürfnis-Ordnung,
wo ich ein inneres "JA, das ist es!" spüre.

Um es mit Goethe zu sagen:
"Die Menschen werden es der Wahrheit nie verzeihen, dass sie letztlich so einfach ist."

So, ich habe erst einmal genug Anregungen gegeben, oder? Ich werde es so ungeprüft loslassen und freue mich auf ein Echo ...

auf wiedertanzen, Heribert ;-)
 undefiniertes "Bedürfnis" 14.09.2003 (17:52 Uhr) HeinzBuerkert
Es freut mich, dass Du "Bedürnis" als undefiniert siehst und die Ansicht teilst, dass die Unschärfe von Begriffen und fehlende Definitionen bei Marshall im klaren Widerspruch stehen zu der Aufforderung, spezifische und genaue Begriffe zu verwenden.

Zu Bedürfnisspektrum und -Hierarchie: wie soll dieser gefunden werden, wenn der Begriff "Bedürnis" schon nicht definiert ist. Also wie kann es zu einer definierten Einteilung von Undefiniertem kommen?

Heinz
 Sicherheits- Bedürfnisse 15.09.2003 (14:22 Uhr) HeinzBuerkert
Heribert,
ich hab mir mal angeschaut, was viele Haltungen und Handlungen motiviert und bin auf SICHERHEIT gestossen: Sicherheit und nochmal Sicherheit.
Ich ordne auch "Vertrauen" der Sicherheit unter. Neben den verschiedenen Spielarten von Sicherheit - und glaub es sind verdammt viele - bleibt nicht mehr so wahnsinnig viel Allgemeineres übrig. Oder doch? :

Überleben
Klarheit und Konzentration
Sozialkontakt

Sicherheit betrifft alle drei Bereiche.
Über all dem steht die Sehnsucht nach dem Urgrund, dem Verschmelzen mit dem Einen. Dort gibts dann kein Bedürfnis mehr.(Das ist aber schwer zu vermitteln und nachzuvollziehen)

Heinz
 Re: Was sind Bedürfnisse? 13.12.2004 (21:23 Uhr) Linde
Danke, Heribert, für diese Anregungen.

Durch deine Ausfühungen zu den "Wahrnehmungstrichtern" und der "Drachenhöhle" fühle ich mich - endlich (!)- bestätigt, in meiner Auffassung, dass Giraffensprache nicht nur "ganz einfach und wunderschön" ist, sondern manchmal auch verflixt schwierig und schmerzhaft.

Der Mangel an Klarheit in der Bedürfnisdefinition beeinträchtigt mich nicht so sehr. Ich empfinde die Giraffensprache als anregenden Prozess, der mein Vordringen zu dem "dreckigen Dutzend" begleitet. Ich denke auch, dass die Bedürfnisse "geschichtet" sind: ganz oben drauf liegen diejenigen, die wir - bei einigem Hinfühlen - gut definieren können, weil sie uns bewusst sind und/oder weil wir sie gerade noch erkennen können, wenn wir uns am Rande oder bereits in einem "Wahrnehmungstrichter" befinden. In tieferen Schichten fühlt es sich dann immer "unklarer" an, es sei denn, wir hätten einen "alten Pappenheimer" klar und wiedererkennbar definiert.

Ich denke, dass der nächste Schritt der Giraffensprache (das Formulieren einer klaren, handlungsorientierten Bitte) uns hilft, Unklarheiten in der Bedürfnisdefinition zu umgehen: mit der Bitte übernehmen wir selbst die Verantwortung dafür, uns darüber klar zu werden, was genau uns in unserer Not helfen könnte. Dazu ist zunächst egal, wie wir das dazugehörige Bedürfnis definieren. Vielleicht haben wir Glück und bereits diese erste Bitte kann erfüllt werden. Dann wird diese gute (evtl. neue) Erfahrung eine sichere Strickleiter bilden, mit deren Hilfe wir - hoffentlich im Wiederholungsfall auch wieder - aus dem Wahrnehmungstrichter herausfinden werden. Falls wir Pech haben und unser Gegenüber die Bitte so nicht erfüllen kann, müssen wir "weitertanzen" und werden im Zuge der erneuten Selbsteinfühlung unser Bedürfnis klarer definieren müssen, ggf. weitere Aspekte, uns genauer erscheinende Worte finden oder gar in die nächste Bedürfnis-Schicht darunter gelangen; und dann mit Hilfe dieser "Bedürfnis-Definitionsbausteine" erneut eine Bitte formulieren, die so genau wie möglich zu unserer - vielleicht immer noch nicht ganz zu Ende definierten - Not/Bedürfnis passt.

Ich meine damit: vielleicht können wir auf eine allgemeingültige Definition verzichten, wenn wir schrittweise daran arbeiten, unsere "persönlichen Bedürfnis-Definitionsbausteine" zu erkennen und bestmöglich zu beschreiben. Um sodann als Bitte auszusprechen, womit uns am ehesten geholfen werden könnte. Oder anders gesagt: wir definieren unsere Bedürfnisse selbst und lassen andere daran teilhaben.

Klingt so einfach, oder?!? Eigentlich wollte ich ja gerne Verständnis dafür finden, wie verflixt schwer mir die Giraffensprache fällt....

Freue mich auch über ein Echo. Auf Wiedertanzen
Linde
In Übungssituationen habe ich mich schon manchmal gewundert, mit welch "einfacher" Bitte jemand die Not gelindert sieht, die ihm ein bislang unerfülltes Bedürfnis bereitet.

 Re: Was sind Bedürfnisse? 15.12.2004 (13:05 Uhr) HeinzBuerkert
Linda, ich glaube, Du machst einen Vorschlag, wie ein Prozess aussehen kann, um sich über seine "Bedürfnisse" klar zu werden, bzw. klar zu werden "was ich will (warum auch immer)".
Ich frag mich halt, warum in der GfK-UnterrichtsSzene, diese Prozesse keinen Platz haben ...
Heinz
p.s. ich halte die GfK-Sprache überhaupt nicht ür einfach zu erlernen und frag mich immer, woher dieses Märchen stammt ...
 Re: Was sind Bedürfnisse? 21.03.2005 (19:38 Uhr) Linde
Hallo Heinz,

hier ein neuer Versuch zu definieren, mit dem Ziel Klarheit (vorrangig für mich, vielleicht auch dich?) zu erzeugen:

Bedürfnisse sind etwas, was mensch haben darf (Bedürfnis, dürfen - darf)

Bedürfnisse können durch (Ab-)Wertungen nicht zerstört werden; manchmal wandern sie (nach wiederholter oder besonders schwerwiegender Abwertung) aber in den unbewussten Untergrund ab und können dann nicht mehr erkannt und mit bewusster Sprache formuliert werden (so geht's mir wenigstens). Sie können - in einem längeren Prozess - wieder ans bewusste Tageslicht befördert werden, wenn die (ab-wertende, vielleicht nur innerlich vorhandene) Botschaft
1. erkannt
2. entkräftet wird;
3. und das Bedürfnis wieder zu etwas erklärt wird, das ich haben darf; etwas, das ich mir selbst zugestehe - und erst dann auch anderen zugestehen kann.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich erst dann in der Lage bin, ein Bedürfnis zu formulieren und mir eine konkrete Bitte zu dessen Erfüllung auszudenken, wenn ich diesen Schritt gemacht habe.

Kennst du übrigens das (schon mehrfach angesprochene) Buch von Thomas d'Asembourg "Endlich ich sein" ? Er beschreibt diese/seine Prozesse in - für mich - gut nachvollziehbarer Form.

Giraffische Grüße von
Linde
 Re: Was sind Bedürfnisse? 23.03.2005 (11:53 Uhr) HeinzBuerkert
Der Bedürfnis-Begriff hat mich derart gefuchst, dass ich mich in den letzten Tagen der Ausbildung geweigert hatte, einen anzuwenden - und tu es immer noch (noch!). Der Grund ist, dass ich immer mehr beobachtet hatte, dass das Wort für ein Bedürfnis einem Reflex entstammt und nicht einer inneren Beobachtung: d.h. der Begriff kan auf Grund einer Phantasie oder einer Sprachgewohnheit "weil man in dem Zusammenhang halt SO SAGT.".
Beobachten kann ich Gedanken und Gefühle unter letzteren auch Handlunsimpulse. Bei langem Hinsehen stellte ich fest, dass Kombinationen aus Gefühlen und Gedanken (darunter WErtungen und Urteile) mit Bedürfnisbegriffen belegt werden. Warum also nicht gleich über Gedanken und Gefühle sprechen anstatt eines Abstraktums. Über Gefühle will sich GfK ohnehin ausdrücken. Also warum doppelt moppeln? Und sich über die Gedanken / Urteile klar zu werden ist einfacher. Daher kein Bedürfnisbegriff mehr.
Es ist schon witztig, dass Rosenberg für Bedürfnisse einen abstrakten Begriff fordert, um ihn von Strategien abzugrenzen!?
Auch hab ich beobachtet, dass die Mitschüler nur aus einem extrem schmalen Repertoir (sp??) an Begriffen schöpfen, meist nur Klarheit oder Sicherheit und Vertrauen - nicht sehr spezifisch.

So jetzt hab ich Deine Antwort ignoriert - tschuldige.  "Bedürfnisse sind etwas, was mensch haben darf " halte ich nicht für eine Definition, sondern eine Vereinbarung (WORTE!!!). Eine Definition, wie ich sie verstehen, führt einen unbekannten Begriff auf bekannte Begriffe und Beziehungen zurück. (Definition von Definition) sie beginnnt Schulmässig mit: "Ein Fiat ist eine Automarke ..."also "ist ein" gefolgt von einer Überordnung, der die Details der Unterschiede und Besonderheiten folgt. Später lässt man sich über Beziehungen der Sache zu anderen aus, erklärt Funktionsweisen und Verwendungen, um den Begriff einzuordnen. Je läger wir ein Wort verwenden, umso mehr Geschichten aus Erfahrungen lagern sich an und erscheinen bei Wiederverwendugn des Begriffs (oder dessen Wahrnehmung) alle zusammen.
Deine 3 Punkte versteh ich nicht recht."wenn die Botschaft erkannt und entkräftet wird ..." , was bleibt dann noch, nach dem Entkräften??? Ist es dann noch ein bzw. Das Bedürfnis und schon ein anderes (Was auch immer ein B. ist).
Sicher ist es ein wichtiger Schritt zu seinen inneren Vorgängen (hier Bedürfnis genannt) stehen zu lernen, es ausdrücken zu lernen und zu lernen es in die Hand zu nehmen und zu betrachten. Ein ganz wichtiger Schritt - aber nur der erste. Ich bin überzeugt, dann ist es wichtig festzustellen, dass es nicht immer die anderen sein müssen, die zu Klärung des inneren Ungleichgewichts beitragen müssen (wie gesagt, anfänglich ist es toll, sich zu trauen und den anderen zu bitten!).

So weit mal
Heinz

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